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MBI Research Stahlprognose/Noch kein Merz-Effekt bei Stahlpreisen, die nachgeben sollten
In der ersten Märzhälfte sind die Prognosen der quantitativen Modelle von MBI Research für die Flachstahlpreise im deutschen Stahlmarkt erheblich pessimistischer geworden. Basierend auf den Daten von Ende Februar stellten sie überwiegend nur einen moderaten Preisabschlag für den Prognosehorizont von sechs Wochen in Aussicht. Das erwartete Minus ging nicht über ein Prozent hinaus. Nun stellen die Modelle für die Zeitraum bis Ende April deutlichere Preisrückgänge in Aussicht. Für Warmbreitband ging die Prognose von -1 auf -4 Prozent nach unten. Bei Feinblech verschlechterte sich die Erwartung ebenfalls um 3 Punkte auf -3 Prozent. Auch bei den beiden Quartoblech-Sorten ging die Vorhersage von -1 auf -4 Prozent nach unten. Für galvanisiertes Feinblech lag die Erwartung vor zwei Wochen noch bei +2 Prozent und fiel nun auf -1 Prozent. Die pessimistischere Einschätzung der Preisaussichten bei Flachstahl basiert jedoch nicht auf der Entwicklung der chinesischen Exportpreise. Diese haben sich nur marginal verändert. Bei Warmbreitband kam es sogar zu einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf 482 US-Dollar je Tonne, aber bei Feinblech gab er um 0,1 Prozent auf 541 US-Dollar nach. Allerdings sind für die deutschen Stahlpreise nicht die Notierungen in US-Dollar, sondern in Euro relevant und hier kam es im Vergleich zu Ende Februar zu einer Aufwertung von 3,8 Prozent, was dann doch eine deutliche Verbilligung bedeutet. Der feste Euro ist auch der wesentliche Grund für den Fall der Produktionskosten. Der Indikator von MBI Research für die Stahlerzeugung mittels der klassischen Hochofenroute (BOF-Verfahren) fiel nämlich um 7,0 Prozent. Denn bei Eisenerz fiel der Frontmonat bei der internationalen Benchmark um 4,6 Prozent, während sich Kokskohle aus Australien um 2,5 Prozent verbilligte. Da diese Preise jedoch in US-Dollar sind, hat sich der Kostenrückgang in Euro entsprechen verstärkt. Die aktuelle Preisentwicklung in der ersten Märzhälfte verlief hingegen besser als nach der Prognose zum Monatsanfang zeitanteilig zu erwarten war. Warmbreitband legte nämlich um 2,0 Prozent auf 612 Euro je Tonne (alle Preisangaben sind ex Werk) zu, während es bei Feinblech um 1,8 Prozent auf 690 Euro aufwärts ging. Auch bei den restlichen Flachstählen ging es um bis zu 1,0 Prozent nach oben. Auf mittlere Sicht von drei Monaten erscheint das Szenario einer Seitwärtsbewegung von +/- 5 Prozent um das aktuelle Niveau weiterhin die höchste Wahrscheinlichkeit zu haben. Der aufgelöste Bundestag hat zwar den Weg freigemacht, dass der wohl nächste Bundeskanzler Merz die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur massiv steigern wird. Die Aktienmärkte haben dies mit einem Kursfeuerwerk bei Rüstungs- und Stahlaktien gefeiert. Bis jedoch die Nachfrage auch bei Stahl für die neuen Ausgabenprogramme anspringen, dürften mehr als drei Monate vergehen. Dies könnte sich eher in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar machen. Während sich bei Flachstahl die Preiseinschätzungen seitens der quantitativen Modelle erst nach Ablauf der zweiten Märzwoche deutlich verschlechterten, war dies bei Langstahl bereits nach der ersten Woche des laufenden Monats der Fall. Allerdings blieben sie danach unverändert. Somit gehen nun die neuen Vorhersagen von einem Rückgang um 2 Prozent bei Betonstahl B500A bis Mitte April aus, während Anfang März nur ein Minus von 1 Prozent erwartet wurde. Bei Walzdraht ging das Modell zunächst von einer roten Null aus, stellt jedoch nun ebenfalls ein Minus von 2 Prozent für die nächsten vier Wochen in Aussicht. Bei den etwas pessimistischeren Aussichten für Langstahl spielten auch die chinesischen Exportpreise eine Rolle. Dies haben nämlich bei Betonstahl um 0,8 Prozent auf 449 US-Dollar nach und verbilligten Sich bei Walzdraht um knapp 0,5 Prozent auf 458 US-Dollar. Wie auch bei Flachstahl fiel jedoch der Preis in Euro durch die Aufwertung des Euro um 3,8 Prozent. Die Produktionskosten für die Stahlerzeugung über den elektronischen Lichtbogen (EAF-Verfahren) gaben jedoch nur um 0,8 Prozent nach. Die Preise für Stahlschrott legten zwar um 2,4 Prozent auf 337 US-Dollar je Tonne in den Häfen der ARA-Region zu, gingen jedoch in Euro zurück. Bei Strom fiel der Preis für die Lieferung im Kalenderjahr 2026 an der EEX von 84,57 auf 83,32 Euro je Megawattstunde, wobei die Abwärtsbewegung ab Mitte Februar zu Ende ging. Gemessen an den Prognosen basierend auf den Schlusswerten im Februar war auch der aktuelle Preisverlauf bei Langstahl besser als erwartet. Bei Betonstahl ging es marginal um 0,3 Prozent auf 608 Euro je Tonne aufwärts. Auch Walzdraht stieg leicht um 0,3 Prozent auf 680. Anfang März einigten sich die Unionsparteien, die SPD und dann auch die Grünen auf eine Verfassungsänderung, um freie Hand für eine galaktische Ausweitung der Staatsverschuldung zu haben. Infrastrukturinvestitionen dürften auch den Bedarf an Langstahl erhöhen. Aber die Kapitalmärkte reagierten bereits und die Renditen der Bundesanleihen verzeichneten den größten Tagesanstieg seit der Ankündigung der deutschen Währungsunion vor 25 Jahren. Dies treibt auch die Zinsen für Hypothekenkredite nach oben, was den Wohnungsbau noch mehr belastet. Auf mittlere Sicht bleiben somit die Aussichten eher seitwärtsgerichtet. Traditionell sind die ersten Wirtschaftsdaten für den aktuellen Monat die Umfragen aus dem Finanzsektor. Für den Sentix kam das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Unionsparteien und SPD wohl zu spät. Dennoch kam es zu einem weiteren Anstieg von -12,7 auf -2,9 Punkte. Deutlich stärker fiel die Veränderung beim ZEW-Index aus, denn der Index für die Erwartungen über sechs Monate gingen kräftig von 26,0 auf 51,6 Punkte nach oben, sodass es fast zu einer Verdoppelung kam. Hierzu dürfte auch die Rallye am deutschen Aktienmarkt beigetragen haben. Der entsprechende Index für die Eurozone verbesserte sich zwar auch, aber nur von 24,2 auf 39,8 Punkte. Nach dem kräftigen Anstieg des Auftragseingangs im Dezember ging der Konsens unter den Bankvolkswirten zwar schon von einem Rückgang aus, aber anstatt um 2,4 ging es um 7,0 Prozent für die Industrie insgesamt abwärts. In der Branche Eisen, Stahl und Ferrolegierungen stieg der Auftragseingang nach den Rohdaten massiv um 31,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, doch nach der Bereinigung um saisonale und kalendarische Effekte kam es zu einem leichten Minus von 0,7 Prozent. Deutlich nach oben ging jedoch die Industrieproduktion, die für Deutschland insgesamt um 2,0 Prozent zulegte, während der Konsens nur von einem Plus um 1,6 Prozent ausging. Im Stahlsektor betrug das Plus hingegen nach den Rohdaten 11,1 Prozent. Doch bei den bereinigten Daten erfolgte ein Rückgang um 4,2 Prozent. Die WV Stahl berichtet einen Fall der Stahlerzeugung im Januar von 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat auf nur noch knapp 2,7 Millionen Tonnen. Durch den stärkeren Rückgang bei der Stahlerzeugung hat sich die Verhandlungsposition verbessert, was sich auch in den leicht gestiegenen Stahlpreisen niederschlägt. In China pendelt der Markt weiter zwischen den Erwartungen einer wirtschaftlichen Erholung und neuen Konjunkturmaßnahmen und Enttäuschungen, über vorsichtige Schritte und nur langsamer Wende im Bausektor. Durch das variable chinesische Neujahrsfest und der Goldenden Woche werden die Wirtschaftsdaten für die ersten beiden Monate zusammen veröffentlicht. Für die Eisenerzimporte kam es zu einem Rückgang von 112,5 Millionen Tonnen im Dezember des Vorjahres auf durchschnittlich 95,7 Millionen Tonnen in Januar und Februar dieses Jahres. Dies bedeutet selbst im Vorjahresvergleich einen Rückgang von durchschnittlich 103,2 Millionen Tonnen in den ersten zwei Monaten von 2024. Dies ist zwar ein negatives Ergebnis, aber keineswegs ein negatives Signal für die Stahlkonjunktur in China. Zyklone haben nämlich in diesem Zeitraum die Tätigkeit in den Eisenerzregionen im Westen Australiens, in Port Hedland und Dampier zum Erliegen gebracht, sodass auch weniger Eisenerz exportiert werden konnte. Dies macht sich in Chinas Importdaten bemerkbar, da das Land die wichtigste Rolle im überseeischen Eisenerzhandel spielt. Der Volkskongress hat zwar weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur versprochen, aber auch hier zeigt sich der Stahlmarkt weiterhin enttäuscht. Bei den in dieser Woche veröffentlichten Daten zum Immobiliensektor ging es weiter abwärts. Die Bauinvestitionen und Immobilienverkäufe fielen im Januar/Februar im Vorjahresvergleich um 9,8 und 5,1 Prozent, doch noch stärker fielen die Baustarts, die um 29,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr fielen. Doch der Markt versteht nicht, dass zuerst der Wohnungsüberhang abgebaut werden muss, bis dann auch die Neubauten wieder attraktiv werden. Belastet wurde Eisenerz aber auch von Aussagen der Nationalen Reform- und Entwicklungskommission, dass die Stahlproduktion in 2025 niedriger als im Vorjahr ausfallen sollte. Peter Fertig/MBI Research  
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Stahlhändler verzeichnet 2024 Nettoverlust/Klöckner & Co peilt deutlich steigendes EBITDA an
Klöckner & Co hat im abgelaufenen Geschäftsjahr operativ wie erwartet weniger verdient als im Vorjahr und unter dem Strich deutlich rote Zahlen geschrieben. Für 2025 rechnet der Stahlhändler aus Duisburg mit einem Vergleich zum Vorjahr deutlichen Anstieg des EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die signifikanten negativen Preiseffekte von 2024 nicht wiederholen werden, teilte das SDAX-Unternehmen mit. Klöckner & Co geht davon aus, dass es in diesem Jahr zu einer steigenden Nachfragedynamik in den relevanten Absatzmärkten in Europa und Nordamerika kommen wird, so dass Absatz und Umsatz deutlich anziehen werden. 2024 war es gelungen, den Absatz im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 4,5 von 4,3 Millionen Tonnen zu steigern, allerdings gingen wegen rückläufiger Stahlpreise in den USA die Umsätze um 4,7 Prozent auf 6,6 (Vorjahr: 7,0) Milliarden Euro zurück. Das bereinigte EBITDA sank entsprechend auf 136 von 190 Millionen Euro und lag damit in der unteren Hälfte der Zielspanne von 120 bis 180 Millionen Euro. Das Konzernergebnis der fortgeführten Aktivitäten fiel mit minus 146 Millionen Euro negativ aus - hier war im Vorjahr noch ein ausgeglichenes Ergebnis verbucht worden. Für das im März 2024 veräußerte europäische Stahldistributionsgeschäft wurde zusätzlich ein Verlust von 30 Millionen Euro geschrieben. Inklusive der nicht fortgeführten Aktivitäten lag das Ergebnis je Aktie entsprechend bei minus 1,77 Euro. Weil der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit mit 160 (Vorjahr: 287) Millionen Euro deutlich positiv ausfiel und die Konzernergebnisse der Vorjahre nur teilweise ausgeschüttet worden waren, soll die Dividende wie im Vorjahr 20 Cent pro Aktie betragen. Für das erste Quartal erwartet KlöCo ein bereingtes EBITDA auf Vorjahresniveau. MBI/DJN/emv/12.3.2025
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